Hersteller-Anzeigen 

in Zeitschriften und Illustrierten

Anita

Chantelle

Charmor

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Exquisite Form

Fabrice

Felina

Formfit

Gossard

Lovable

Playtex

Pulmonet

Schiesser

 Ski

Susa

Triumph

Vesta

Verschiedene

In dieser Galerie sind Anzeigen verschiedener Miederproduzenten von Anfang der 50er bis Ende der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts zu sehen. 

Sie erschienen in Frauenzeitschriften wie Brigitte, Burda, Constanze, Freundin, Für Sie, Neue Mode, Petra, Praline etc. aber auch in fast allen anderen Illustrierten wie stern, Quick, Revue, Bunte Illustrierte, Neue Illustrierte, Sie & Er, Jasmin, twen usw. und erreichten damit eine weit über die eigentliche Zielgruppe der potentiellen Käuferinnen hinausgehende Öffentlichkeit.

 

An der  Miederwerbung lässt sich der  "Sittenwandel" der westlichen Gesellschaften, der gemeinhin mit den Schlagworten "Sexuelle Revolution" und "Sexwelle" beschrieben wird, ganz gut ablesen. Und möglicherweise haben gerade die Miederanzeigen zum Teil auch zu diesem Wandel beigetragen. 

Dazu wandelte sich die Vorstellung von den Miedern, zugespitzt formuliert,  von einer orthopädischen Hilfe zur Wahrung der körperlichen Würde vor allem älterer Menschen  zu einer Art Reizwäsche (im aktiven wie passiven Sinne) für Frauen jeden Alters, die nicht nur beim Vorspiel sondern den ganzen Tag getragen wurde. Die mit den Miedern assoziierte "sexuelle Wirkungsmacht" verlieh ihnen ein paar Jahre lang den Status eines weitverbreiteten, gesellschaftlich akzeptierten Mode- Fetischs.

 

Die  Werbung hat ihre Aufgabe, in von Tabus vermintem Gelände  Wege freierer Darstellung zu finden und das sexuelle Versprechen der Mieder zu verdeutlichen ohne die Intimsphäre bloßzustellen, in der Regel sehr anständig und geschmackvoll gelöst.

 

Stark stilisiert vor den neutralen Hintergründen der Fotostudios, an der frischen Luft bei Mutter Natur oder sogar "im öffentlichen Raum", mieden die Anzeigen die Schlafzimmeratmosphäre und das Private (einige Hintergründe deuten Wohn- und Ankleidezimmer an, zugegeben). So wurde das dargestellte Intime der sozialen und persönlichen  Zuordnung enthoben und bekam jenseits der wiedererkennbar eigenen Sexualität etwas Überpersönliches, Allgemeines, Klassisches.

 

In einzelnen Anzeigen begegnet man für meinen Geschmack regelrechten Meisterwerken der erotischen Fotografie, deren Autoren aber unbekannt geblieben sind, weil sie keinen Kunstanspruch erhoben haben.

 

Die "Vermarktung der Sexualität" wurde jedoch von den Hütern der reinen Lehre als Verrat an der Sexuellen Revolution abgelehnt. 

Ich selbst habe das nie so verbissen gesehen und habe begrüßt, dass nach meinem Eindruck in vielen Anzeigen außer für das Produkt irgendwie auch für den Spaß am Sex geworben wurde.

Ich kann nicht erkennen, dass Mieder der sexuellen Befreiung im Wege gestanden hätten, dass sie Mittel der Verdinglichung menschlicher Sexualität oder Symbole der Unterdrückung der Frau gewesen wären.  

 

"Das Bild der Frau ist das Bild des Mannes von der Frau" - mit Blick auf die Miederwerbung ist diese These schwer zu widerlegen; denn was in den Anzeigen veranschaulicht wurde, sieht ziemlich nach Männerphantasien aus. 

Ich glaube sie trotzdem nicht, sondern an vielfache Wechselwirkungen und gegenseitige Beeinflussungen, deren Geflecht schwer zu durchschauen ist.  Vielleicht gibt es ja doch irgendwo eine "Schnittmenge" gemeinsamer erotischer Vorstellungen von Mann und Frau. 

Wie sieht das erotische Wunschbild der Frau von sich selbst denn aus? Elvira Bach etwa? Unterscheidet sich das wesentlich von dem männlichen? Und: welchen Sinn macht es eigentlich, einem Bild von sich selbst zu entsprechen, das sich vom männlichen Wunschbild von der Frau unterscheidet, wenn es um die sexuelle Anziehungskraft geht?

 

Das "Goldene Zeitalter" der Mieder ist nicht zufällig auch die Zeit der politischen, wirtschaftlichen und vor Allem kulturellen Aufbruchstimmung, von der wir bis heute zehren.

Ich stelle mir vor, dass es damals  einen Augenblick lang ein etwas offeneres, unverkrampfteres Verhältnis der Geschlechter gegeben hat oder doch wenigstens gemeinsame Erwartungen, was unter anderem auch in der Miederwerbung  zum Ausdruck kam. Es ist diese Annahme, die meine nostalgische Rührung beim Betrachten der alten Bilder auslöst. 

 

Dass die Erwartungen  schnell enttäuscht wurden, wenn frau sich eine halbe Stunde nach dem "befreiten Sex" alleine in der Küche zum Aufräumen wiederfand oder feststellen musste, dass sie nach wie vor für dieselbe Arbeit erheblich weniger Geld bekam als ihr männlicher Kollege, lässt sich nachvollziehen

 

Wer aber die berechtigte Enttäuschung über die Sturheit der Männer zum willkommenen Anlass genommen hat, auf ausgetretene Pfade der Prüderie und Sexualfeindlichkeit zurück zu kehren, hat in Wirklichkeit die Sexuelle Revolution verraten

 

Die massenhafte Werbung für Mieder hat  nicht verhindern können, dass deren große Zeit spätestens mit den 70er Jahren zu Ende ging.